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Adipositaschirurgische Therapie

In der Adipositaschirurgie unterscheidet man zwei Ansätze; zum einen verhindern die restriktiven Operationsverfahren die Zufuhr größerer Nahrungsmengen, während  malabsorptive Verfahren deren Aufnahme im Dünndarm einschränken. Malabsorptive Operationsverfahren werden heute nur mit restriktiven Eingriffen kombiniert angewendet.

1. Restriktion: Die Verkleinerung der Magenkapazität führt zur Verringerung der Essenmenge. Bereits nach kleineren Nahrungsmengen ist der Magen voll und wird gedehnt wodurch ein Sättigungsgefühl ausgelöst wird (z.B. beim Magenband und beim Schlauchmagen). 

2. Malabsorption: Verringerung der maximalen Energie-Aufnahmefähigkeit des Verdauungssystems durch Verringerung der Aufnahmefläche. Dies kann zum Beispiel durch eine spätere Zuleitung von den Verdauungssäften (Gallensaft, Bauchspeichel-drüsensaft) zum Nahrungsbrei führenden Darm erreicht werden, da hierbei die enzymatische Aufspaltung erst verspätet erfolgt und Nahrungsbestandteile nur in geringerem Ausmaß aufgenommen werden (z.B. beim Magenbypass).

Welche Operationstechnik für Sie in Frage kommt hängt von vielen Faktoren ab und wird im Rahmen der Adipositassprechstunde mit Ihnen zusammen erarbeitet. Auch Ihr ganz persönliches Risikoprofil wird dabei berücksichtigt. Unabhängig vom Therapieverfahren hängt der Erfolg der Operation wesentlich von Ihrer engen, langfristigen Mitarbeit mit unserem Team ab, wozu auch eine kontinuierliche Nachbetreuung gehört.

Die häufigsten Operationen sind heute die Implantation eines verstellbaren Magenbandes und der Magenbypass. Beide Eingriffe werden seit 1993 praktisch ausschließlich minimal-invasiv durchgeführt. Durch den minimierten Zugang sind viele der früher gefürchteten postoperativen Komplikationen bei adipösen Patienten rückläufig: es treten weniger Wundinfekte auf und thromboembolische Ereignisse sind dank schnellerer Mobilisation seltener. Insgesamt wird die Rate perioperativer Komplikationen mit 5 – 15 Prozent und die perioperative Mortalität < 1 Prozent angegeben (Herbig, 2004).

Im folgenden informieren wir Sie über die in unserer Klinik angewendeten bariatrischen Eingriffe: 

1) Magenband ( Swedish Adjustable Gastric Banding = SAGB)

Das Magenband ist ein weiches, aus Silikon bestehendes Band, das um den obersten Teil des Magens gelegt wird. Der Magen bekommt dadurch die Form einer Sanduhr. Durch die Bildung einer engen Passage, wird aufgenommene Nahrung in der kleinen Magentasche (Pouch) gesammelt und nur verzögert über die Enge in den großen Restmagen abgegeben. Die Speise, die sich in der kleinen Magentasche sammelt, führt zu einer Dehnung der Magenwand, wodurch wiederum Rezeptoren ein Sättigungsgefühl an das Gehirn weiterleiten. Der Patient ist durch den kleinen Pouch schneller und länger satt.

Magenband

Nachdem das Magenband um den Mageneingang herumgelegt worden ist, wird es mit einigen Nähten am Magen gegen ein Verrutschen gesichert. Anschließend wird noch der Port unter der Haut implantiert. Dieser Port ist über einen Schlauch mit dem verstellbaren Magenband verbunden. Das Magenband hat auf seiner Innenseite ein Ballonsystem, dass über den Port mit Flüssigkeit zu füllen ist - hiermit kann die Passage der Nahrung über die Enge in der Mageneingangsebene gesteuert werden. Das Band wird zunächst ohne Flüssigkeit implantiert, da häufig durch die operative Maßnahme eine Schwellung am Mageneingang entsteht und damit direkt nach der Operation die Passage für Speise ohnehin behindert ist. Nach ca. 4 - 6 Wochen erfolgt dann ambulant die Füllung des Magenbandes (Blockung). Diese Füllung erfolgt durch unser Adipositas-Team gemeinsam mit den Radiologen unter Röntgenkontrolle.

Magenband vor der Blockung (zum Vergrößern auf das Bild klicken)
Magenband nach der Blockung (zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Bei der Magenband-Operation handelt es sich um ein weniger eingreifendes Verfahren als bei anderen Operationen in der Adipositas-Chirurgie, da weder die Anatomie des Magens, noch die Verdauung und Resorption im Dünndarm sich verändern. Der Eingriff ist vollständig reversibel, also umkehrbar. Das Band sollte lebenslang getragen werden, da nach Entfernung das Gewicht in der Regel wieder ungebremst steigt.

Bereits kleine Nahrungsmengen geben dem Patienten ein Sättigungsgefühl, das viele Adipöse vor der Operation fast vollständig vermissen. Zuviel Nahrung auf einmal verursacht Übelkeit, Schmerzen hinter dem Brustbein und Erbrechen. Die mit dem Magenband behandelten Patienten werden so auf drastische Weise zu einer Änderung Ihrer Essgewohnheiten gezwungen. Allerdings kann durch das Band nur die Menge der Nahrung, nicht ihr Kaloriengehalt kontrolliert werden. Mit hochkalorischen flüssigen Lebensmitteln (Sahneeis, Schokolade, Erdnussbutter, Nougatcreme etc.) kann jeder Operierte den Effekt seines Magenbandes außer Kraft setzen. Magenbandträger müssen ihr Essverhalten entscheidend und langfristig ändern (Herbig, 2004).

Neben Thrombose und Embolie und infektiösen Frühkomplikationen kann ein Magenband auch gravierende Spätkomplikationen verursachen. Die wichtigste ist das Slipping, bei dem das Magenband in seiner Lage verrutscht, wenn durch Erbrechen tiefer gelegene Magenanteile durch das enge Band nach oben gepresst werden und die Speisepassage blockieren. Durch operationstechnische Veränderungen bei der Implantation geschieht dies heute deutlich seltener. Nicht zuletzt unterliegt ein Fremdkörper auch der Material-ermüdung mit möglicher Undichtigkeit des Bandes oder Portschlauches, was einen operativen Austausch erfordert. 

Mit dem Magenband können Adipöse nach zwei Jahren durchschnittlich 50 Prozent ihres Übergewichtes verlieren. Aufgrund der  langjährigen Erfahrung mit dem Magenband sind gute Ergebnisse bei jüngeren Frauen, BMI < 50 kg/m2, mangelndem Sättigungsgefühl, hoher Motivation und Zuverlässigkeit und guter Mitarbeit des Patienten zu erwarten Herbig, 2004).

2) Magenbypass (Roux-Y Gastric Bypass)

Beim Magenbypass werden die restriktiven und malabsorptiven Komponenten der Adipositas-Chirurgie kombiniert. Zunächst wird eine kleine Magentasche direkt unterhalb der Einmündung der Speiseröhre in den Magen vom übrigen Restmagen (der belassen, aber aus der Nahrungspassage ausgeschlossen wird) abgetrennt. Diese kleine Tasche, auch Magenpouch genannt, wird dann mit einer hochgezogenen Jejunumschlinge (mittlerer Teil des Dünndarmes) durch Naht verbunden.                                                                                              

 Der Magenpouch (Füllvolumen 20 ml) verhindert die Zufuhr größerer Essenmengen, der Übertritt der Speise aus dem Pouch in den hochgezogenen Dünndarm wird durch eine enge Anastomose (Neuverbindung) behindert und der tiefe Zusammenfluss von Darminhalt und Verdauungssekreten (Säfte der Galle und Bauchspeicheldrüse) mindert die Fett- und Nährstoffaufnahme. Großen Zuckerkonsum lernt der Patient durch die ihm unangenehme Dumping-Symptomatik zu meiden (Herbig, 2004) .

Der fertige Magenbypass als Übersicht

Der fertige Magenbypass als Übersicht
Ablauf der Magen-Bypass Operation (zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Der Magenbypass fordert weniger Disziplin und weniger Mitarbeit vom Patienten. Außerdem ist die Einschränkung der Nahrungsaufnahme nicht so ausgeprägt wie beim Magenband. Das bedeutet mehr Lebensqualität für den Patienten (Essen in Gesellschaft). Allerdings ist eine lebenslange Ergänzung der Nahrung mit Vitaminen, Calzium und Spurenelementen erforderlich. Außerdem ist die Operation nicht ohne weiteres rückgängig zu machen und birgt ein etwas höheres Risiko für Komplikationen als eine Magenband-Operation (Köhler). Postoperativ können Nachblutungen und Nahtinsuffizienzen (Undichtigkeiten der Magen-Darmnaht) auftreten, die lebensbedrohlich sind. Anderseits hat der Magenbypass eine hohe Effektivität bezüglich erfolgreichem Abnehmen, die Patienten verlieren durchschnittlich 60-75% ihres Übergewichtes und das Verfahren ist auch für Patienten mit hohem BMI geeignet. Der Magenbypass hat seine Vorteile bei Diabetikern und den so genannten „Sweet-eatern“. Auch die Heilung oder Besserung der Begleiterkrankungen (Bluthochdruck, Schlaf-Apnoe-Syndrom, Diabetes mellitus) ist beim Bypass-Verfahren wahrscheinlicher als beim Gastric banding.

3) Schlauchmagen (Sleeve-Gastrektomie)

Das Prinzip der Bildung eines Schlauchmagens ist die Verkleinerung des Magenvolumens (restriktives Verfahren). Bei der meist minimal-invasiven Operation werden über 4/5 des großen gewölbten Magenteils (Korpus und Fundus) entfernt, so dass ein schlauchförmiger Restmagen übrig bleibt. Durch die Entfernung des Fundus werden die Ghrelin-Rezeptoren mit beseitigt (80% der abdominellen Ghrelin-Rezeptoren befinden sich im Magen, durch deren Ausschaltung weniger Hungergefühle an das Gehirn weitergeleitet werden) und das Magenvolumen auf 150 - 200 ml reduziert. Somit können nur sehr geringe Nahrungsmengen zugeführt werden und es tritt rasch ein Sättigungsgefühl ein.

Schlauchmagen

Die Schlauchmagenbildung führt zu einem schnellen Gewichtsverlust, jedoch geringer als beim Magenbypass. Im Gegensatz zum Magenbypass sind keine regelmäßigen Vitamin-B12 Substitutionen erforderlich. Der obere Verdauungstrakt bleibt mittels Magenspiegelung weiterhin einsehbar. Es wird kein Fremdkörper implantiert, die Operation ist in ihrem Ausmaß kleiner als der Magenbypass und es besteht dadurch ein geringeres OP-Risiko gegenüber anderen Methoden. Eine Umwandlung des Schlauchmagens in einen Magenbypass kann später erfolgen.

Exakte Daten zum Gewichtsverlust liegen derzeit noch nicht vor, da das Verfahren erst seit einigen Jahren angewandt wird. Realistisch gesehen ist eine Reduktion von 50-60% des Übergewichts innerhalb der ersten 2 Jahre möglich. Die bisherigen Daten sind ermutigend und positiv bezüglich Operationsrisiko und Gewichtsreduktion.

Die Operation ist bei Essstörungen wie Binge Eating (unkontrollierte Essattacken) oder Sweet Eating (Süßigkeiten oder hochkalorische Getränke), sowie bei Patienten mit schwerer Refluxkrankheit (Sodbrennen) nicht geeignet.

Die sogenannte Sleeve Gastrektomie (Schlauchmagenbildung) ist sowohl als Primäreingriff als auch als Revisionseingriff denkbar. Bei Patienten mit sehr hohem Gewicht (sog. „Super-obese“) wird ein Schlauchmagen im Rahmen eines Stufenkonzeptes als erster Eingriff hergestellt. Nach der Gewichtsreduktion kann dann der geplante Folge-Eingriff (Magen-Bypass oder andere) als zweiter Schritt durchgeführt werden; hiermit reduziert man das  operative Risiko erheblich. 

Es kann, vor allem durch Diätfehler, zu einer Ausweitung (Dilatation) des Magen-schlauches kommen. Die Folge ist eine herabgesetzte Wirksamkeit im Hinblick auf die gewünschte Gewichtsabnahme. Ungefähr 2/3 aller Schlauchmagen-Patienten brauchen aus diesem Grund nach ca. 2 - 3 Jahren einen 2. bariatrischen Eingriff.

Ansprechpartner Adipositas
Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie
Dr. Andreas Hoffmann

Telefon: 05151/97-2075 od. -2224
Telefax: 05151/97-2074