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Arthrose des Kniegelenkes: Gelenkersatz, Navigation

Implantation eines Kunstgelenkes

Liegt bei Arthrose des Kniegelenkes trotz konservativer Behandlung eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung vor, welche die Lebensqualität einschränkt, und kommen keine gelenkerhaltenden Operationen in Frage, ist in der Regel die Implantation eines Kunstgelenkes (Prothese) ratsam.

Teilprothesen (Schlittenprothesen, isolierter Patellofemoralersatz)

Ist nur der innere oder äußere Abschnitt des Gelenkes von der Arthrose betroffen, kann eine Teilprothese eingesetzt werden (sog. Schlittenprothese). Diese hat den Vorteil, dass Kreuzbänder und Seitenbänder unversehrt bleiben und dadurch das komplexe physiologische Bewegungsmuster des Kniegelenkes nicht verändert wird.

Bei isolierter Arthrose zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen ist ein isolierter Gelenkersatz in diesem Bereich möglich (sog. Patellofemoralersatz).

 Bikondyläre Oberflächenprothesen

Häufig liegt der Gelenkverschleiß in mehreren Gelenkabschnitten vor. Diese Patienten erhalten eine sog. bikondyläre Oberflächenprothese, welche den inneren und äußeren Gelenkabschnitt ersetzt. Bei Bedarf wird ggfs. auch der Gelenkknorpel hinter der Kniescheibe ersetzt.

Arthrosebehandlung des Knies mit Oberflächenprothese

(Teil-)Gekoppelte Prothesen

Bei schwerer Seitenbandschwäche oder extremer Fehlstellung werden spezielle Prothesen mit Kopplungsmechanismus eingesetzt (sog. halb- oder vollgekoppelte Prothesen). Diese sind mit einem Schaft im Ober- und Unterschenkelknochen fixiert und die Gelenkkomponenten miteinander (teil-)gekoppelt, um eine ausreichend Stabilität des Gelenkes und eine gute Funktion zu erzielen.

Navigation

Entscheidende Kriterien für eine erfolgreiche Prothesenimplantation sind eine gerade Ausrichtung der Beinachse nach Protheseneinbau, eine korrekte Stellung der einzelnen Gelenkkomponenten, eine optimale Prothesengröße, eine gute Führung der Kniescheibe am Oberschenkel und eine hohe Gelenkstabilität.

Einige dieser Faktoren lassen sich durch eine technische Neuerung, nämlich der Navigation, verbessern. Ein Navigationsgerät gibt dem Operateur eine Fülle an zusätzlichen Informationen, wie z.B. der 3-dimensionalen Ausrichtung der Prothesenkomponenten oder der Tiefe der Knochenresektion. Die Genauigkeit des Navigationssystems liegt etwas über 0.5° bzw. bei 0,5mm, und ist damit deutlich genauer als das menschliche Auge oder konventionelle Instrumente zur Implantation von Kunstgelenken. Hochrangige Studien haben gezeigt, dass sich durch Anwendung der Navigation die Genauigkeit der Prothesenimplantation bezüglich der Beinachse nachweislich erhöht. Neben der Reduktion des Risikos einer Prothesenfehlimplantation ermöglicht die Navigation ferner ein besonders Knochen-sparendes Arbeiten, und es lässt sich die Stabilität eines Gelenkes exakt beurteilen.

Aus diesen Gründen verwenden wir in unserer Klinik für alle Oberflächenprothesen am Kniegelenk ein Navigationsgerät, trotz des höheren zeitlichen und technischen Aufwandes der Navigation. Das Navigationsgerät gibt wichtige Informationen an das Operationsteam. Die Operation selbst wird ausschließlich vom Chirurgen vorgenommen.

Navigierte Knie-Operation

Ablauf

Die Dauer der stationären Behandlung beträgt in der Regel 8-10 Tage. Der Eingriff, der in navigierter Technik etwa 90 Minuten dauert, wird wahlweise in Vollnarkose oder Teilnarkose (Rückenmarksbetäubung) vorgenommen. Jeder Patient erhält nach der Operation ein individuelles Schema zur Schmerzbekämpfung. Bereits am Tag der Operation wird das operierte Bein in einer Bewegungsschiene beübt. An den nächsten Tagen erfolgt die zunehmende Mobilisierung des Patienten mit Hilfe von 2 Unterarmgehstützen. Im Anschluss an die stationäre Behandlung erfolgt wahlweise eine ambulante oder stationäre Rehabilitationsmaßnahme, welche durch unseren Sozialdienst eingeleitet wird.

Trotz modernster OP- Technik und  genauer Indikationsstellung bestehen natürlich bei jeder OP gewisse Risiken: Nach der Implantation eines Kunstgelenkes können Schwellungen und Einblutungen auftreten. Diese lassen sich operationsbedingt leider nicht vermeiden.

Bakterielle Infektionen treten nach Erstimplantation einer Knieprothese mit einer Häufigkeit von etwa 1% auf. In den Fällen sind operative Revisionen erforderlich sowie die Gabe von Antibiotika.

Ein anderes Risiko ist die Entstehung eines Blutgerinnsels oder seiner Fortleitung (Thrombose/Embolie). Leider lässt sich dieses Risiko nicht ganz ausschliessen. Um das Risiko zu minimieren, werden Sie frühzeitig mobilisiert, tragen Antithrombosestrümpfe und erhalten Antithrombosespritzen.

Um eine gute Funktion des neuen Kniegelenkes zu erzielen, ist eine intensive Beübung erforderlich. Im Gegensatz zu anderen Gelenken wie z.B. dem Hüftgelenk erfordern Kniegelenke aufgrund ihres komplexen Aufbaus oftmals eine besonders intensive und lange Nachbehandlung.

Haltbarkeit einer Knieprothese

Jede Prothese kann sich im Laufe der Zeit lockern. 90% der Knieprothesen halten zumindest 10 Jahre, 80-85% 15 Jahre. Durch Weiterentwicklungen der Prothesenmodelle, der Zementiertechniken und der Operationstechnik wie z.B. der Navigation hoffen wir, die Haltbarkeit in Zukunft weiter verbessern zu können.

 Sport nach Knieprothese

Die Implantation einer Knieprothese dient in erster Linie dazu, die Beschwerden des Arthrose-geplagten Patienten zu reduzieren und die Lebensqualität zu erhöhen.

Aktivitäten mit einem gleichmäßigen Bewegungsmuster wie Wandern, Radfahren, Nordic-Walking, Schwimmen, Skilanglauf oder Rudern können prinzipiell auch mit einem künstlichen Kniegelenk erfolgen.

Sportarten mit abrupten Abbremsbewegungen und Sprüngen wie z.B. Tennis, Fußball, Ski alpin sind für Patienten mit künstlichem Kniegelenk nicht geeignet.

Patienteninformationsordner

Um Sie besonders gut über die Implantation eines Kunstgelenkes vorzubereiten, haben wir zu diesem Thema vielfältige Informationen in einen Patienteninformationsordner zusammengestellt, der Ihnen in unserer Klinik ausgehändigt wird.

Konzentration aufs Wesentliche
Neue Berufsbilder entlasten Pflegekräfte und Ärzte